Aus den ethologischen Kenntnissen ergeben sich nun
die Bedingungen der artgerechten Haltung, Fütterung und Pflege.
Weide mit Auslauf und (Offen-)Stall würde wohl dem Ideal einer
artgerechten Haltung entsprechen. Solange keine Überfütterung
zu befürchten ist und bei entsprechenden Witterungsbedingungen
ist der Weidegang in Gesellschaft mit anderen Tieren der Normalfall.
Der Auslauf und der Stall sind als Ausweichmöglichkeiten zu sehen
(Überfütterung, schlechte Witterung über Tage, Winter,
schwere Arbeit, Krankheit usw.). Maultiere halten sowohl sehr tiefe
wie auch sehr hohe Temperaturen nach angemessener Angewöhnungszeit
aus.
Die Fütterung des Maultiers unterscheidet sich
kaum von der des Pferdes. Für nichtarbeitende Tiere oder bei
mässiger Arbeit (2 Stunden Ausritt/Tag) genügt Weidegras
oder Heu mit Mineralstoffzusatz. Obwohl das Maultier sehr genügsam
ist, braucht es bei harter Arbeit die nötige Energiezufuhr in
Form von Kraftfutter (Hafer, Gerste, Mais usw.). Im Vergleich zum
Pferd trinkt das Maultier deutlich weniger Wasser, wobei es grössere
Ansprüche an dessen Qualität stellt.
Natürlich benötigt ein Maultier die Pflege des Menschen
für sein Wohlbefinden. Das tägliche Bürsten und Striegeln
sowie das Auskratzen der Hufe (besonders im Auslauf) dienen nicht
nur der Gesundheit, sondern fördern durch den engen (hautnahen)
Kontakt auch die sehr wichtige Anhänglichkeit und das Vertrauen
des Maultiers zu seinem menschlichen Partner.