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"Geduld und Ausdauer, Beobachtung und Einfühlungsvermögen
in die Vorstellungswelt des Maultieres führen letztlich zum
Ziel. Dabei ist es oft notwendig, unhaltbare Überlieferungen
abzustossen." (Zitait: Rolf Becher)
Bedeutung für die Ausbildung des Maultieres
Immer wieder werden mir Fragen gestellt wie: Was ist der Unterschied
von Maultier und Pferd, Maultier und Esel ausser der Ohrenlänge
und der Hufgrösse?
Was muss in der Ausbildung beim Maultier anders gemacht werden als
beim Pferd, beim Esel?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, spielen doch sehr
viele verschiedene Faktoren in einer erfolgreichen Beziehung zwischen
Mensch und Tier zusammen, insbesondere dann, wenn zwei verschiedene
Tierarten mit unterschiedlichen Verhaltensweisen miteinander gekreuzt
werden, denn wie Farbe und Grösse werden auch Verhaltensmuster
unterschiedlich vererbt.
Obige Feststellungen machen uns eines klar: stellt sich bei der
Haltung und Ausbildung ein Problem ein, dann müssen wir als
erstes feststellen: ist es das Pferd oder der Esel in unserem Maultier,
der uns das Problem stellt. In der Regel sind "pferdige"
Probleme mit einer einfühlsamen Pferdeausbildung leicht zu
korrigieren. Denn hier findet der Ausbildner noch immer die Bewegung,
den Vorwärtsdrang. Wie aber korrigiere ich ein Tier, das sich
nicht bewegt. Hier empfiehlt sich, das Gespräch mit einem erfolgreichen
Eselausbildner zu suchen. Und ohne den absoluten Grundsatz zu vergessen:
Wenn wir zu viel, zu früh verlangen, stellen wir den Erfolg
unserer Arbeit in Frage. Der erste Stock eines Hauses wird auch
nicht aufgebaut, ehe das Fundament nicht stark genug ist, ihn zu
tragen. Vor und über allem stehen Geduld, Ausdauer und Phantasie.
Denn ob Esel, Pferd oder Maultier, sehr oft entstehen Probleme,
weil wir Menschen von den Tieren verlangen, dass sie uns verstehen
lernen und nicht wir sie. Vor und über allem steht die Geduld.
Sie ist die Eigenschaft, die der Ausbildner in allererster Linie
haben und bewahren muss. Unmut, Zorn und Ungeduld sind klägliche
Helfer. Sollte es aber doch geschehen, dass uns bei allen guten
Absichten, aller edlen Hingabe doch mal eine sehr menschliche Wut
übermannt, die uns die kluge Überlegung, die klare Sicht
raubt, dann lassen wir es schleunigst gut sein.
"Die Verarmung der Beziehungen und Verantwortungslosigkeit
sind gefährliche Begleiterscheinungen unseres technischen Zeitalters,
da die Bändigung der Materie keine ethische Hemmung vermittelt."
(Zitat:Rolf Becher)
Die richtige Ausbildungsmethode - gibt es sie?
Linda Tellington-Jones, Pat Parelli, Monty Roberts, Alphonso, es
gibt so viele, so verwirrend viele. Welche könnte jetzt geeigneter
sein für mein Maultier. Soll ich mein Tier Englisch oder Western
reiten? Was liegt meinem Tier besser, womit kommt es besser klar?
Sicher alle, die sich auf die Suche nach Hilfe in der Ausbildung
ihres Tieres begaben, haben sich früher oder später diese
oder ähnliche Fragen gestellt. Die Antwort ist hart: die perfekte
Ausbildungsmethode für Mensch und Tier gibt es nicht! Es wäre
zu einfach, wenn es sie gäbe und damit gäbe es auch kein
so vielfältiges Angebot an Methoden. Grundsätzlich gibt
es zwei Faktoren, die die Ausbildung des Maultieres bestimmen. 1.
Die körperlichen Eigenschaften des Tieres und 2. der Charakter
von Ihnen, dem Besitzer, dem Ausbildner eben dieses Tieres. Die
Mutter des Maultieres ist massgebend für die athletischen Fähigkeiten
des Maultieres - ein schweres kaltblütiges Tier wird sich weniger
für den Springparcours eignen als eines aus einem Warmblut.
Ihren persönlichen Charakter müssen Sie selber beurteilen
- Sie müssen die verschiedenen Ausbildungsmethoden kennen lernen
- Sie müssen bestimmen, welche Methode Ihnen am ehesten entspricht.
Wenn Sie glauben, diese gefunden zu haben, dann erkundigen Sie sich,
wer in Ihrer Nähe mit der gleichen Methode arbeitet oder mit
einer ähnlichen, mit der Sie sich grundsätzlich ebenfalls
einverstanden erklären könnten. Denn sollten Sie sich
eine Methode ausgesucht haben, die nur in der Hinteren Mongolei
praktiziert wird, werden Sie es schwer haben, wenn Sie stecken bleiben
mit der Ausbildung. Die Maultierausbildung ist erfahrenermassen
etwas langwieriger, weil das Maultier mit denkt und vor allem kann
es jede Inkonsequenz und Unsicherheit Ihrerseits sofort durchschauen
und zum eigenen Vorteil ausnützen. Manchmal auch braucht es
einfach etwas länger, bis es sich seinem neuen Schicksal hingibt
und dann sind Sie gut beraten, wenn Sie mit jemandem zusammen die
Situation besprechen können und so mögliche Fehler ausmerzen
oder einfach die Bestätigung haben, dass Sie es richtig machen,
dass es nur kleinere Schritte braucht oder etwas mehr Ausdauer.
Sprechen Sie mit so vielen Leuten wie möglich, lassen Sie sich
aber nicht verunsichern, sammeln Sie nur Ideen, die Sie auf Ihre
Situation angepasst anwenden könnten. Etwas gebe ich Ihnen
aus eigener Erfahrung mit: Wechseln Sie die Methode nicht, wenn
Sie innert nützlicher Frist nicht zum Ziel kommen, ist es nicht
die Methode, es ist Ihre Ungeduld, denn etwas, das uns das Maultier
auf jeden Fall lehrt, ist Geduld. Und dazu kommt, mit dem Wechsel
der Methode müssen auch Sie sich umstellen. Geistig geht diese
Umstellung schnell, sprachlich auch. Doch das Maultier kann nur
ihre Körpersprache und Ihre Signale deuten und bis unser Geist
mit unserem Körper eins sind, das braucht Zeit. Der Rückschritt
ist somit vorprogrammiert. Das Endziel muss und soll die Einheit
von Mensch und Tier sein. Ob Sie dieses Ziel nun langsam oder schnell
erreichen, spielt keine Rolle, ob mit der Methode X oder Y auch
nicht, was zählt ist, dass Sie und Ihr Tier zufrieden und glücklich
sind miteinander.
"Ist man irgendwo am Ende seiner Weisheit und sucht nach
einer Lösung - sie liegt immer näher, als man sie sucht
-, sie heisst "Lösung". Aufgeben allen Zwanges, allen
Krampfes. Auch Angst ist Krampf. Auch überspitzter Ehrgeiz
ist Krampf. Auch Einbildung ist Krampf." (Zitat: Rolf Becher)
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